Die Trainerstühle werden immer schneller abgesägt…

Dieses Thema im Forum "Diverses zum nationalen Fußball" wurde erstellt von Gast, 27. April 2019.

  1. Gast

    Gast Besuch

    Stell dir vor, du bist Trainer eines deutschen Zweitligist, führst drei Spieltage vor Ende der Spielzeit die Tabelle mit Vorsprung an, stehst kurz vor dem Aufstieg in die 1. Fußball-Bundesliga und wirst gefeuert – eigentlich ein unvorstellbares Szenario, aber in der heutigen Fußball-Welt wirklich wahr.

    Stell dir vor, du bist Trainer eines deutschen Erstligisten, führst vier Spieltage vor Ende der Spielzeit die Tabelle an, stehst in einem Pokalfinale und an deinem „Trainerstuhl“ wird trotzdem gesägt – eigentlich ein unvorstellbares Szenario, aber in der heutigen Fußball-Welt wirklich wahr.

    Das Trainerkarussell dreht sich immer schneller und die Trainerstühle werden immer schnell abgesägt.

    Meiner Meinung nach ist es mittlerweile eine bodenlose Unverschämtheit, was mit den Trainern, nicht nur in den höchsten deutschen Spielklassen, passiert. Heute sind die Trainer von Vereinsmannschaften quasi Einzelkämpfer und Entlassungen bei Misserfolgen, egal, wie kurz sie sind, gehören der Normalität an. Der Trainer ist, zum Beispiel bei einem Fußballklub oder in Klubs anderer Sportarten, das schwächste Glied. Es ist mittlerweile gar Standard geworden, dass die Trainer gefeuert werden, sobald eine kleine Krise herrscht, weil die Ergebnisse und Erfolge ausbleiben. Die Trainer verspüren heutzutage kaum noch Vertrauen von den Vereinsbossen, vor allem dann nicht, wenn es sportlich nicht läuft. Der Trainer ist immer die ärmste Sau und die Person, die den Verein zu 99 Prozent zuerst verlassen muss.

    Zum Glück gibt es aber auch Beispiele und Fälle, da hält man jahrelang am Trainer fest, egal, wie lange eine Negativserie dauert, wie lange die Ergebnisse ausbleiben, wie lange der Misserfolg anhält. In Deutschland haben wir mit Streich und dem SC Freiburg einen solchen Fall. Freiburg kämpft jedes Jahr um den Klassenerhalt und wenn es mal Phasen in der Saison gibt, wo es nicht läuft, hält man am Trainer fest. Auch kommen da bei Negativserien nicht solche Standardsprüche, wie, „Unser Trainer hat unser vollstes Vertrauen“ / „Wir sind überzeugt, dass wir mit dem Trainer die Wende schaffen“ / „Der Trainer ist der Richtige für diesen Verein“ usw. – und was passiert dann in 99 Prozent der Fälle – kurze Zeit später ist der Trainer weg.

    Die Trainer haben heute einen sehr niedrigen Stellenwert und denen wird einfach zu wenig Vertrauen und Respekt geschenkt.

    Als der BVB in der Saison 2014/2015 nach einer total verkorksten Hinrunde und nach dem 18. Spieltag auf Platz 18 in der Tabelle stand, gab es nicht den Ansatz einer Diskussion um Trainer Jürgen Klopp. Er wurde nicht gefeuert und blieb beim BVB und führte die Borussia am Ende der Saison noch auf Platz 7. In der heutigen Zeit wäre sowas so gut wie unmöglich, dass ein Trainer, der quasi vom ersten Spieltag an auf der Trainerbank eines Vereins sitzt und nach dem Ende des 18. Spieltag auf Platz 18 in der Ligatabelle weiter im Verein bleiben darf.

    Heute werden die Trainer, egal in welchem Land, vereinsintern immer schwächer gemacht und auch öffentlich bloßgestellt. Der Trainer ist das leichteste Opfer von den jeweiligen Vereinsbossen – also von Präsident, Manager etc.

    Sobald die Mannschaft nicht mehr hinter einem Trainer steht und dies dann auch auf dem Platz zeigt, hat der Trainer verloren und es ist in der Regel nur eine Frage der Zeit, bis er gefeuert wird. Die Trainer stehen pausenlos unter Druck, weil die es sind, die dafür verantwortlich gemacht werden, ob ein Verein Erfolg hat oder nicht, dabei stehen die Trainer nicht mal auf dem Platz! Viele Dinge werden auch veröffentlicht, Interna werden nach außen getragen und bei Misserfolgen, so klein sie auch sein mag, wird sofort die Trainerarbeit in Frage gestellt.

    Doch selbst bei Erfolgen sitzt ein Trainer heute nicht mehr fest im Sattel – das sieht man am Beispiel Kovac bei den Roten aus dem Süden.

    Es war schon immer so und wird es immer so bleiben – einen Trainer zu wechseln / zu feuern ist für die Vereinsbosse leicht, wenn der Erfolg ausbleibt.

    Ein Verein sollte einen Trainer, auch bei Negativserien und Misserfolgen schützen. Nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch – man muss nicht immer alles gleich über den Haufen werfen, wenn es mal nicht läuft. Dem Trainer muss auch mal eine Schwächephase zugestanden werden und dem Trainer muss man vertrauen und ihn den Rücken stärken, wenn der Erfolg ausbleibt.

    Die Trainer haben relativ wenig Einfluss auf das „operative Geschäft“ im Verein – zum Beispiel bei Ab- und Zugängen. Dann muss der Trainer nach Schließung einer Transferperiode mit dem Kader arbeiten, den er dann vor sich findet. Und dennoch muss der Trainer für alles gerade stehen, wenn es nicht läuft. Andere Leute, wie zum Beispiel der Manager, der Sportdirektor etc., werden nie in Frage gestellt – es ist immer nur der Trainer.

    Im Großen und Ganzen sind Schwächephasen, Negativserien und das Ausbleiben von positiven Ergebnisse nicht erlaubt. Überall muss der Erfolg her. Ja, sicherlich spielen dabei ganz viele Faktoren eine große Rolle, die man nicht außer Acht lassen kann und darf, aber man sollte mal wieder dahin kommen, den Trainer wieder mehr Vertrauen zu schenken, vor allem hinsichtlich der Arbeit, die der Trainer macht. Und ganz wichtig wäre es, auch an dem Trainer mal festzuhalten, wenn es nicht läuft – gerade in schwierigen Zeiten sollte man zusammen halten und nicht alles über Bord werfen, in der Hoffnung, dass danach alles besser wird. Manchmal geht sowas gut, aber manchmal auch nicht.

    Meiner Meinung nach muss da mal ein Umdenken stattfinden - vor allem bei den Vereinsbossen. Klar steht der Verein über allem, und das der Verein größer ist, als jeder Spieler / jeder Trainer, aber man sollte dem Trainer die Chance geben, bei Misserfolgen weiter arbeiten zu dürfen und ihm und die Mannschaft dabei helfen, dass die Wende zum Guten eintritt.
     
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  2. Vorstopper

    Vorstopper Stammspieler

    wohl wahr ****.......aber hier schreien doch auch schon nicht wenige......."Favre raus....."
     
  3. Gast1

    Gast1 Besuch

    schlechter Zeitpunkt gerade ****, sehr schlechter :weissnicht:
     
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  4. leipzig09

    leipzig09 Führungsspieler

    Alles richtig, was Du schreibst.
    Du vergisst aber ein Szenarium.
    Nämlich, dass es auch sein kann, dass ein Trainer selbst Gründe liefert, dass eine Vereinsführung zu dem Schluss der Trennung, auch nach schon kurzer Vertragslaufzeit, kommt.

    Ich will jetzt, nach der heutigen Derby-Niederlage, nicht auf Favre "eindreschen", denn es waren AUCH unglückliche und betrügerische Umstände, die dazu führte.

    Nur:
    Was soll man von einem Trainer halten, der erst die Bauern stark redet (das muss er nicht machen, weil das eh jeder weiß), aus übertriebener Vorsicht Aufstellungsfehler begeht und dann 0:5 auf die bekannte Art verliert?
    Was soll man von einem Trainer halten, der vor Schalke warnt, anstatt auf den eigenen Stärken aufzubauen?
    Was soll man von einem Trainer halten, der nach der heutigen Niederlage sagt, dass alles gelaufen ist (selbst wenn die Chance tatsächlich gen Null tendiert)?

    WAS SIGNALISIERT er der Mannschaft?
    WAS SIGNALISIERT er damit überhaupt?

    Ich will das jetzt, aus der Emotion heraus, nicht beantworten.
    Letztlich kann das ja auch jeder selbst sehen, wie er will.
    Ich will nur nicht, dass die Trainer in ALLEN Fällen als die ärmsten Sauen hingestellt werden.
    Sie wissen, worauf sie sich einlassen und dass sie "liefern" müssen.
    Tun sie das nicht, dann sind sie mangels anderer Varianten (man kann ja nicht die Hälfte der Spieler rausschmeißen), oftmals, wie von Dir beschrieben, tatsächlich die ärmsten Sauen.
    Nur eben oft, aber nicht immer!!!
     
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  5. Salecha

    Salecha Leistungsträger * BFD - Mitglied *

    das hat er ja vor dem Spiel geschrieben.
    Aber recht hat **** schon, wenn man hört/liest wie Kovac schon von Beginn an von einigen/vielen Bayernfans abgelehnt wird. Dann wird der Kölner Trainer, trotz Tabellenplatz 1, entlassen. Da kann man schon mal fragen, woran das liegt, an der zu hohen Erwartungshaltung der Verantwortlichen, Fans, Spieler.....?
    So Trainer, die in Ruhe arbeiten können, wie Streich in Freiburg, sind sicherlich Seltenheit
     
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  6. Nera

    Nera Stammspieler

    Sieht man auch bei manche Vereine, dass es überhaupt nichts bringen muss wenn man aus der Verzweiflung heraus den Trainer abschießt. Sieht man ja schön an Hannover und Nürnberg.
    Köln entlässt Anfang, obwohl er sie voraussichtlich in die 1. Liga führt.
    Aber 1.-Liga tauglich ist er für den Vorstand nicht.

    Das mit Streich finde ich auch bewundernswert. Freiburg ohne Streich kann man sich schon gar nicht mehr mehr vorstellen.
     
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  7. leipzig09

    leipzig09 Führungsspieler

    Freiburg ist da wohl tatsächlich eine Art von Nostalgie.
    SCHÖN, aber bestimmt auch deshalb, weil dort nicht DER Anspruch, wie bei anderen Vereinen (CL-/EL-Quali), besteht.
    Da ist dieses Handeln etwas einfacher umzusetzen.
     
  8. Saar-Borusse

    Saar-Borusse Stammspieler

    Also jammern sollten die Trainer nicht,sie wissen was auf sie zukommt und wollen trotzdem diesen Beruf ausüben.
    Es ist aber immer wieder erstaunlich das diejenigen die den Trainer feuern,nachdem sie ihn auch eingestellt haben,sich erst Gedanken um ihren Job machen müssen nachdem sie den dritten oder vierten Trainer in 2 Jahren geschasst haben,und keine erkennbare positve Entwicklung erkennbar ist.
    Es gibt soviele Beispiele die das gezeigt haben,fängt ein Verein an alles nur am Trainer festzumachen und entwickelt eine ungesunde Vorstellung davon was mit einem Kader möglich ist,entwickelt sich oft eine Abwärtsspirale die sehr oft einige Klassen tiefer endet.
     
  9. Pfefferkuchenmann

    Pfefferkuchenmann Hoffnungsträger

    Es geht nicht darum ob die Trainer was zu jammern habe, sondern dass die Vereine sich selbst keinen Gefallen machen ständig die Trainer auszutauschen. Vor allem, wenn sie keinen guten Ersatz haben.
    Ausserdem glaube ich, dass Menschen besser arbeiten, wenn sie keine Angst haben müssen bei der ersten Krise sofort jegliches Vertrauen zu verlieren und gleich um ihren Job fürchten zu müssen.
     
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  10. cocoline

    cocoline Leistungsträger * BFD - Mitglied *

    Real Madrid blamiert sich im Derby
    gerade im Internet gelesen.
    Nicht das 1:1 ist für mich die Sensation.
    Gemeldet werden 13700 Zuschauer im Derby.
    Was kann die Bl sich glücklich schätzen.
     
  11. Pohly91

    Pohly91 Führungsspieler * BFD - Mitglied * BFD - Vorstand

    Dir ist aber klar dass das Stadion nur 14.500 Zuschauer fasst? Ich würde sagen dass ggf. 800 Plätze aus sicherheitsgründen frei blieben
     
  12. Nera

    Nera Stammspieler

    Ich versteh ehrlich gesagt den Zusammenhang zwischen dem Real-Derby und dem Thread-Thema nicht :weissnicht:
     
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  13. Gast1

    Gast1 Besuch

    Kommt vielleicht dadurch, dass der Thread/Thesen-Ersteller seine Diskutanten allein und im Regen stehen lässt :mrgreen:

    :weg:
     
  14. Alexaceman

    Alexaceman Stammspieler

    Es hat nix mit dem Derby zu tun

    Es gibt Vereine: VFB, HSV und und und da werden Trainer schnell und zum Teil bei Erfolg entlassen siehe Köln!

    Evtl. Findet er die Trainerdiskussion zu früh bei uns, was aufgrund großem Frust keine Gute Idee war! Zusätzlich zu der heulsusenartigen Aufgabe!

    Aber back to topic: Ja viele Vereine mit schlechtem Management oder mit Rücksichtslosen Management schmeissen Trainer schnell rauss, anstatt gemeinsam Lösungen zu finden

    Es ist aber zu global mit dem Schwamm drüber! Zu uns passt es nicht! Man hielt zu Klopp trotz 18. Platz, weil weder Unstimmigkeiten mit dem Team oder dem Verein vorlagen und kein anderer es besser hätte machen können! Genauso Freiburg, oder wie oft war inBremen jahrelang derselbe Trainer verantwortlich! Mann hat auch TT nich sogleich rauss geschmissen sondern die Saison zu Ende gespielt

    Aber gibt es Unfrieden innerhalb des Team und dem Häuptling oder noch dazu Management,
    Vergesse nie wer deinen Gehalt zahlt!:sauer:, dann ist eine Trennung der Bessere Weg für die Zukunft des Vereins

    Daher gut geführte Vereine entlassen nicht so häufig und wenn dann nur weil Team und Trainer nicht können

    Es gibt definitiv ganz viele Vereine die werden NICHT professionell geführt, da herrscht leider das Chaos und Kopfschüttel
     
  15. Alexaceman

    Alexaceman Stammspieler

    :-0Und bitte dabei zu bedenken
    Ja Fußball heute ist ein knallhartes Geschäft! Mit den Millionen von den Scheichs und Ölmultis, sind die Preise für alle gestiegen, was den echten Wettbewerb stark eingrenzt für die, die nicht mit spielen wollen, zahlst du keine 80 Mio für einen Verteidiger, bekommst du nur noch Mittelmaß!

    Gut ist, das PSG, City und ManU trotzdem die gewünschte CL nicht gewinnen und das krasser Außenseiter Ajax, große ärgern kann, daher lieben uns alle im Ausland!

    Aber danach werden diese Talente für so hohe Summen angekauft, dass die wieder geschwächt werden

    Der Druck kommt von Oben, klar muss Arsenal, ManU, PSG, City mehr liefern!
    Es gibt aktuell folgendes Gerücht, dass TT fliegen könnte, mit dieser Mannschaft 500 Millionen nur französischer Meister, blamable Auftritte auch der Stars. Da heißt es: Verträge werden schneller zerrissen als sie aufgesetzt werden :mrgreen:

    Dieser Druck geht nun immer weiter nach unten, oft halt durch falsches Management, siehe HSV und deren falschen Entscheidungen

    Da wird ein Spieler Interimstrainer, Trainer, Manager und naja kann aber kaum lesen und schreiben bzw. Ahnung von Management! Oder wie man einen Verein mit Millionen Umsätze und auch Ausgaben managt. Personalverstand?? Umgang mit Menschen? :? Menschenführung als naja sch.. egal

    So ein Quatsch wir zahlen Lulu Millionen, dass einzige wat der kann ist, wir haben verloren aus Schluss:schreien:
     
  16. leipzig09

    leipzig09 Führungsspieler

    Sicher wünschen sich viele Fans, dass ihr Verein ein klein wenig, wie Freiburg agiert.
    Leider wird das ein frommer Wunsch bleiben.
    Auch, weil der gesellschaftliche Sittenverfall, Knete um jeden Preis zu machen, andere dafür ggf. auch bluten zu lassen, auch Teil des Profisports, des Profifußballs geworden ist.
    Es gilt nicht mehr ein Miteinander, sondern nur noch Ellenbogen raus und ich, ich, ich.
    Der Nachbar, der Kumpel, etc. sind da nur zweitrangig.
    Auch bei vielen Profis läuft neben dem eigentlichen sportlichen Wettbewerb eine Art von Wettstreit über die Höhe des eigenen Ablösewertes und die Höhe des Gehaltes im Vergleich zu anderen Spielern.
    Wäre das nicht so, gäbe es weder 220Mio. Ablöse, noch diese aberwitzigen und wiederlichen Gehälter bestimmter Profis.
    Gehälter, von denem Millionen hungernde Kinder ausreichend ernährt werden könnten, die Krebsforschung ohne Spendengelder finanziell abgesichert wäre, und, und, und.

    Darum ist Freiburg eine Art von sportlicher, finanzieller und zwischenmenschlicher Oase, die sie sich dort versuchen sollten, so lange es geht zu erhalten..
    Im größeren Rahmen, bei Vereinen, die einem Wirtschaftsunternehmen gleichen, bleibt das Modell SC Freiburg wohl für alle Ewigkeit ein Traum vergangener Zeiten.
    L.E.I.D.E.R. !!!!!
     

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